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Nationale Depression nach Schiffsunglück?
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JayD #1
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Subject: Nationale Depression nach Schiffsunglück?
Hallo zusammen,

ich habe neulich einen sehr interessanten Artikel von Dr. Norbert Eschborn von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Korea gelesen und wollte Ihn hier mit euch teilen. Ich finde die Analyse sehr interessant und den Artikel in jedem Fall lesenwert.

http://www.kas.de/korea/de/publications/37692/
Oldboy #2
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Ich sprach letztes Jahr mit einem jungen Koreaner(22/24) über die gesellschaftlichen Probleme in Korea. Er war der gleichen Meinung wie ich, das der technologische/wirtschaftliche Fortschritt auf Kosten der Gesellschaft gehe. Wir waren auch der Meinung, dass schon zuviel Zeit verloren wurde und man bald handeln müsse, da sonst ein gesellschaftlicher Kollaps drohe.

Das Schiffsunglück ist eine sehr tragische Katastrophe, da junge Menschen sich auf die Anweisungen der Erwachsenen verlassen haben. Wenn Erwachsene als Vorbild dienen, dann sollten sie sich auch wie solche Verhalten.

Die Regierung steht unter enormen Druck und handelt meiner Meinung nach viel zu schnell, um das Problem zu beheben. Nicht nur einzelne Personen sind schuld daran, sondern auch die Gesellschaft.

Da steigen junge Koreaner in ein Taxi(vor kurzem passiert) und der ältere Taxifahrer schreit rum, dass man wieder die Diktatur in Korea einführen müsse.

Ich hab mich mit einem LG-Manager unterhalten und ihm gesagt, das Koreaner zuviel arbeiten(Korea ist auf Platz 1 weltweit). Er antwortete mir,"Unsinn, früher hätte man ja 7 Tage durchgearbeitet".

Ich wollte mit einem jungen koreanischen Sänger Musik produzieren. Er sagte mir, dass er es in Korea nicht mehr aushalte. Denn obwohl er einen 50 Stunden Job hat und in seiner Freizeit Musik aufnimmt, wird er von seiner Familie als Versager gesehen. Sein Bruder arbeitet ja bei Samsung.

Das sollen Vorbilder sein? In allen drei Fällen haben sich die Betroffenen nicht verteidigt, obwohl sie es wollten.
This post was edited on 2014-06-04, 21:53 by Oldboy.
JayD #3
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Ich denke ei  gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit und habe das stets betont und die letzten politischen Entwicklungen lassen einen poditiv denken! Die Bürgermeisterwahl in Seoul ist ein Beispiel dafür! Aber es braucht seine Zeit. Ich hoffe für die Jugend das sich Korea neu aufstellen kann aber es wird noch dauern
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Nomou #4
User title: Koi
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In reply to post #2
Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Ich sprach letztes Jahr mit einem jungen Koreaner(22/24) über die gesellschaftlichen Probleme in Korea. Er war der gleichen Meinung wie ich, das der technologische/wirtschaftliche Fortschritt auf Kosten der Gesellschaft gehe. Wir waren auch der Meinung, dass schon zuviel Zeit verloren wurde und man bald handeln müsse, da sonst ein gesellschaftlicher Kollaps drohe.


Und wie sollte man eurer Meinung nach "handeln"? Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Wenn die Gesellschaft noch
nicht so weit ist (was auch immer das heißen mag), wird sich das von alleine lösen. Wie JayD sagt, sowas braucht Zeit.


Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Die Regierung steht unter enormen Druck und handelt meiner Meinung nach viel zu schnell, um das Problem zu beheben. Nicht nur einzelne Personen sind schuld daran, sondern auch die Gesellschaft.

Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand beschwert, die Regierung handle zu schnell. Sollte die ganze Sache besser totgeschwiegen werden?


Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Da steigen junge Koreaner in ein Taxi(vor kurzem passiert) und der ältere Taxifahrer schreit rum, dass man wieder die Diktatur in Korea einführen müsse.


Was soll uns das denn sagen? Wir hatten in der Schule auch einen Lehrer, der immer meinte, dass alles besser war, als man die Schüler noch schlagen durfte. Ich habe letztens in der Innenstadt einen Nazi-Opa gesehen, der ein türkisches Pärchen blöd angemacht hat. Gibt's überall, nicht nur in Korea.


Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Ich hab mich mit einem LG-Manager unterhalten und ihm gesagt, das Koreaner zuviel arbeiten(Korea ist auf Platz 1 weltweit). Er antwortete mir,"Unsinn, früher hätte man ja 7 Tage durchgearbeitet".


Er hat völlig recht. Außerdem: Guck mal in Entwicklungsländer, die würden sich über koreanische Arbeitsverhältnisse freuen. Global betrachtet hat Deutschland mit die besten Arbeitsbedingungen - wenn man das als Standard nimmt, ist das Urteil natürlich klar. Übrigens hätte ich zu der Aussage gerne einen Nachweis. Koreaner arbeiten viel, klar. Aber hier steht Japan mit Abstand an erster Stelle, und bei Korea stehen nicht mal 6 Stunden Arbeitszeit pro Tag. Wenn man immer nur mit verbitterten KoreanerInnen spricht, die aus welchen Gründen auch immer Probleme haben, wird man bestimmt irgendwann glauben, dass die Gesellschaft insgesamt total furchtbar ist.

Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Ich wollte mit einem jungen koreanischen Sänger Musik produzieren. Er sagte mir, dass er es in Korea nicht mehr aushalte. Denn obwohl er einen 50 Stunden Job hat und in seiner Freizeit Musik aufnimmt, wird er von seiner Familie als Versager gesehen. Sein Bruder arbeitet ja bei Samsung.


Das ist in Deutschland natürlich völlig anders. Hier hat niemand Stress auf der Arbeit oder Probleme mit der Familie. Das ist übrigens wiederum kein gutes Beispiel, da die Musikindustrie auch in der westlichen Welt extrem belastend ist - das hält kaum jemand lange durch (Stichwort "Club 27").
Flo-ohne-h (Moderator) #5
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Quote by Nomou:
Quote by Oldboy on 2014-06-04, 21:49:
Ich hab mich mit einem LG-Manager unterhalten und ihm gesagt, das Koreaner zuviel arbeiten(Korea ist auf Platz 1 weltweit). Er antwortete mir,"Unsinn, früher hätte man ja 7 Tage durchgearbeitet".


Er hat völlig recht. Außerdem: Guck mal in Entwicklungsländer, die würden sich über koreanische Arbeitsverhältnisse freuen. Global betrachtet hat Deutschland mit die besten Arbeitsbedingungen - wenn man das als Standard nimmt, ist das Urteil natürlich klar. Übrigens hätte ich zu der Aussage gerne einen Nachweis. Koreaner arbeiten viel, klar. Aber hier steht Japan mit Abstand an erster Stelle, und bei Korea stehen nicht mal 6 Stunden Arbeitszeit pro Tag. Wenn man immer nur mit verbitterten KoreanerInnen spricht, die aus welchen Gründen auch immer Probleme haben, wird man bestimmt irgendwann glauben, dass die Gesellschaft insgesamt total furchtbar ist.

Ich glaube Du liest die Statistik nicht richtig.

Erstens gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Anwesenheits- und Arbeitszeit, der je nach Land unterschiedlich ist - in D ist er eher gering, in K größer in CN ziemlich groß.

Zweitens muß man das auf die Wochenarbeitszeit umrechnen und da liegt K bei 40.6 h/Woche - ein recht vernünftiger Wert.

Wenn ich mir im Übrigen die Zahl für D anschaue (27 h/Woche) bezweifle ich die Statistik stark. Entweder werden Teilzeitstellen nicht entsprechend korrigiert oder die Zahlen sind falsch.

Ohne vernünftige Erklärung wie diese Zahlen zustandekommen, glaube ich sie jedenfalls nicht.
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Nomou #6
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@Flo-ohne-h: Das war ja genau mein Problem mit "uhhh Korea hat weltweit die schlimmsten Arbeitszeiten".
Hier noch eine Statistik, wo's wieder anders aussieht (Mexiko ist Nr. 1): http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=ANHRS
JayD #7
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lieber viel arbeiten als gar nicht;-)
Oldboy #8
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@Nomou(Zuhause)
Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand beschwert, die Regierung handle zu schnell. Sollte die ganze Sache besser totgeschwiegen werden?
Bravo. Schnell handeln heisst also für dich positiv. Bei einem Stammtischtreffen in Frankfurt sagte mir ein Koreaner, die Koreaner sind schnell vor Ort in einem Notfall, jedoch oft total planlos. Die Deutschen sind vielleicht langsamer, aber besser vorbereitet.(seine Worte!!!!!!!) Und übrigends seit wann bedeutet mit ruhigem Verstand zu handeln...dass man etwas totschweigt? Aua das tut richtig weh.

Ich habe letztens in der Innenstadt einen Nazi-Opa gesehen, der ein türkisches Pärchen blöd angemacht hat. Gibt's überall, nicht nur in Korea.
Sagmal was laberst du da eigentlich. Es ging in dem Beispiel darin, wie unsensibel manche Koreaner sind und nicht um Rassismus. Aber du unterstützt ja meine These! Nur weiter so!

Was du hier laberst ist genau das, was meine koreanischen Freunde an ihrem eigenen Volk so schlimm finden. Den Mund halten und alles hinnehmen. Allerdings funktioniert das schon lange nicht mehr, da viele sich dieses Verhalten der Erwachsenen und Vorgesetzten nicht mehr gefallen lassen. Und da kannst du noch so viel reden wie du willst, meine Freunde sind mir sehr dankbar, dass sie ihr Selbstwertgefühl(Das sie nämlich wertvolle Menschen sind und keine Maschinen oder schlimmer Sklaven der Gesellschaft) wieder durch mich bekommen haben, anstatt das andere es ihnen nehmen und sie wie Dreck behandeln.

@JayD
lieber viel denken als gar nicht ;)

@Flo-ohne-h
Statistiken sind eine Sache. Komisch, lügen dann alle Koreaner dir mir erzählen sie Arbeiten 50+ Stunden. Lügen die Ausländer in Korea die in koreanischen Firmen arbeiten und mir das selbe erzählen? Ich hab aber auch ein Pech mit Menschen. Alles Lügner;)
Flo-ohne-h (Moderator) #9
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Quote by Oldboy:
@Flo-ohne-h
Statistiken sind eine Sache. Komisch, lügen dann alle Koreaner dir mir erzählen sie Arbeiten 50+ Stunden. Lügen die Ausländer in Korea die in koreanischen Firmen arbeiten und mir das selbe erzählen? Ich hab aber auch ein Pech mit Menschen. Alles Lügner;)

Statistiken ohne Erläuterungen wie die Daten zustande kommen, hier z.B. wie Teilzeitjobs, Hausfrauen, Arbeitslose gewertet werden, sind sinnlos.
Oldboy #10
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hi leute, ich weiss ich hab die letzte zeit oft negativ gesprochen und möchte mein kriegsbeil begraben. ich habe nie die absicht gehabt jemanden schlecht zu machen, ich wollte nur auf probleme aufmerksam machen, da mir die koreaner, die ich kennengelernt habe mir sehr am herzen liegen. falls sich jemand von mir angegriffen fühlt tut es mir leid.
JayD #11
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@ Oldboy: Ich hatte nie ein Problem mit deinen Posts und werde es auch nicht haben, auch wenn ich die Meinung manchmal nicht teile, aber das ist ja nicht schlimm.

Zum Thema des Threads: Ich empfand den Artikel als sehr gelungen, da er zumindest für einen gewissen Teil der Bevölkerung zutreffend erscheint. Meine (koreanische Frau) hat mich auf den Artikel aufmerksam gemacht (der auch auf koreanisch übersetzt wurde) und meinte ich sollte das mal lesen, dann könnte ich besser verstehen wie sie sich fühlt nachdem Schiffsunglück. Ich merke schon, dass dieses Unglück eine gewisse Verzweiflung zutage geholt hat, die gerade die Generation 20-35 in Korea derzeit heimsucht, nämlich den Wunsch nach gesellschaftlichen Wandel gepaart mit einer gewissen politischen Hilflosigkeit. Dies hat sich damals auch schön in der Präsidentschaftswahl wiedergespiegelt. Präsidentin Park ist vorallem (nicht nur!!) eine Präsidentin der Alten und stößt, soweit ich das beurteilen kann, nicht gerade auf Zustimmung bei der Jugend, doch es ist ein Dilemma das in Deutschland auch auf uns zukommt. Die Gesellschaft wird älter und damit auch die Wählerschaft, das spiegelt sich dann auch im Wahlergebniss und der Interessenvertretung wieder.

Das Schiffsunglück hat glaube ich vielen in Korea wieder vor Augen geführt was alles schiefläuft in Ihrem Land und anschließend zu einem Gefühl von Wut und Ohnmacht geführt.

Aber natürlich hat jedes Land auf der Welt Probleme (oft weitaus gravierendere)

@ Oldboy: Ich denke nicht, dass die gesellschaftlcihe Entwicklung auf Kosten von Technologiefortschritt/Wirtschaftlichkeit geht. Ich denke nur diese Entwicklungen verlaufen asynchron und zeitlich versetzt. Technologiefortschritt ist eine Sache von 1-2 Generationen, gesellschaftlicher Wandel von 3-4!
This post was edited on 2014-06-11, 08:17 by JayD.
Gummibein #12
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Wie der Zufall es so wollte war ich gerade in Korea als in Seoul eine U-Bahn brannte.

Einige Tage später und 200km von Seoul entfernt betrat ich einen dieser winzigen "Supermarket". Da lag die Inhaberin unter einer Bettdecke vor dem Fernseher wo die Nachrichten flimmerte und heulte sich die Augen aus. "Ach, die armen Menschen, ach, die armen Menschen". So viel zu der einzigartigen Depression das zum allerersten Mal das Land, auch unbeteiligte, erfasst hat.

Wenn ich von Außen ohne näheren Einblick beurteilen kann hat sich Japan nie vom Platzen der Immobilienblase erholt. Davor schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann und wie weit Japan die USA und den Rest der Welt hinter sich lässt. Jetzt stagniert die Wirtschaft wenn auch auf hohem Niveau.

Daher scheint es mir nicht unmöglich, dass ein einziges einschneidendes Ereignis ein ganzes Land umkrempeln kann. Ich hoffe aber, dass Korea zumindest noch einige Jahrzente den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter geht. Man mag vieles an Korea kritisieren aber wenn ich andere Länder sehe die vor einige Jahrzehnten auf dem selben Niveau waren und wo sie jetzt sind, dann hat man in Korea wohl nicht alles falsch gemacht.
Flo-ohne-h (Moderator) #13
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Quote by Gummibein:
Wenn ich von Außen ohne näheren Einblick beurteilen kann hat sich Japan nie vom Platzen der Immobilienblase erholt. Davor schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann und wie weit Japan die USA und den Rest der Welt hinter sich lässt. Jetzt stagniert die Wirtschaft wenn auch auf hohem Niveau.

vollkommen richtig und momentan wissen die Japaner auch nicht wirklich wie sie mit den ewiggestrigen umgehen sollen (siehe Atomdebatte und Abenomics).

Quote by Gummibein:
Daher scheint es mir nicht unmöglich, dass ein einziges einschneidendes Ereignis ein ganzes Land umkrempeln kann. Ich hoffe aber, dass Korea zumindest noch einige Jahrzente den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter geht. Man mag vieles an Korea kritisieren aber wenn ich andere Länder sehe die vor einige Jahrzehnten auf dem selben Niveau waren und wo sie jetzt sind, dann hat man in Korea wohl nicht alles falsch gemacht.

Nicht alles falsch ja, es wird aber meiner Ansicht nach Zeit, der Gesellschaft Zeit für die Anpassung zu geben. Momentan wirkt vieles als hingeschludert, wenn man etwas an der Hochglanzfassade kratzt. Außerdem sind viele Dinge nicht besonders gut durchdacht.
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Chung-Chi #14
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In reply to post #12
Quote by Gummibein:
Wie der Zufall es so wollte war ich gerade in Korea als in Seoul eine U-Bahn brannte.
So viel zu der einzigartigen Depression das zum allerersten Mal das Land, auch unbeteiligte, erfasst hat.

Das mit der "Nationalen Depression" und den daraus zu erwartenden gesellschaftlichen Aenderungen ist sicherlich der schwaechste Teil des Artikels und wurde zu unrecht in die Ueberschrift gehoben. Die gesellschafts-kritischen Koreaner sind sich der gesellschaftlichen Probleme schon vorher bewusst gewesen und haben den Unfall als eine weitere Bestaetigung davon aufgenommen. Die eher gesellschafts-unkritischen Koreaner haben Migefuehl mit den Hinterbliebenen und erwarten drakonische Strafen. Es wird auch einige Leute geben, die es im wesentlichen als Grundlage fuer Klatsch- und Tratsch nehmen und die von der Sache relativ unbeeindruckt geblieben sind.

Davon abgesehen deckt sich die uebrige Analyse im Artikel aber sehr gut mit dem, was ich in Korea beobachten kann.

Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand beschwert, die Regierung handle zu schnell. Sollte die ganze Sache besser totgeschwiegen werden?

Gerade dadurch, dass die Regierung "zu schnell" handelt, wird dazu bei getragen, dass die eigentlichen Ursachen des Ungluecks tot geschwiegen werden; d.h. nicht gruendlich auf geklaert wird. Zum Beispiel haben die verantwortlichen Rettungskraefte (mir faellt jetzt gerade die genaue Bezeichnung nicht ein, aber es muss eine Art Wasserschutzpolizei gewesen sein) im wesentlichen Kapitaen und Mannschaft gerettet. Es scheint klar, dass da einiges an Korruption im Spiel gewesen sein muss. Anstatt dies ganz genau auf zu klaeren, wurde die Rettungsorganisation einfach radikal abgeschafft ... indem man sie umbenannt hat!

@Oldboy: Du musst davon ausgehen, dass die Stichprobe an Koreanern, mit denen Du Dich unterhalten hast, nicht representativ fuer die ganze koreanische Gesellschaft ist. (Hast Du mit Koreanern im Alter von 18-80 Jahren gesprochen? Mit Koreanern, die ausserhalb von Korea irgendwo in der Pampa leben? Mit Bettlern und Topmanagern? Mit Schulabbrechern und PhD-Studenten? Mit Koreanern die nur Koreanisch und kein Englisch sprechen?) Die Stichprobe ist sicherlich auch viel zu klein. Ausserdem sagen Dir die Koreaner als Auslaender vielleicht ganz andere Dinge, als sie untereinander schwaetzen.
Ansonsten finde ich es aber sehr gut, dass Du Deine Eindruecke hier im Forum schreibst, und durch Antworten, die darauf erfolgen, ergibt sich dann ein komplexeres Bild der koreanischen Gesellschaft.
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Chung-Chi #15
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@Flo-ohne-h: Das war ja genau mein Problem mit "uhhh Korea hat weltweit die schlimmsten Arbeitszeiten".
Hier noch eine Statistik, wo's wieder anders aussieht (Mexiko ist Nr. 1): http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=ANHRS

Bis 2007 lag Korea vor Mexiko, deshalb denken viele Koreaner, dass dies immer noch so ist. Statistiken veraltern nun mal sehr schnell. Basierend auf dieser Statistik kann man auch nur sagen, dass Korea (bis 2007) die laengsten Arbeitszeiten unter den aufgefuehrten Laendern (= OECD-Laendern) hatte, wie es im weltweiten vergleich aussieht, laesst sich daraus nicht ableiten.
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