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Gibt es mutigen, investigativen Journalismus in Südkorea?
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Peter Müller (Guest) #1
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Subject: Gibt es mutigen, investigativen Journalismus in Südkorea?
In einem Forum (siehe Link) wurde die These vertreten (so habe ich das verstanden) daß in Korea Aufdeckungs-Journalismus kaum möglich ist.
http://groups.google.de/group/de.alt.folklore.ddr/msg/08ff…
Ist das denn so? Wie investigativ sind die Medien in Südkorea?

Peter
Gummibein #2
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Guck doch mal an welche Funktion die für uns sinnlos erscheinenden Saufgelagen mit Kollegen haben.

Man wird immer Zustimmung ernten wenn man sagt andere Länder andere Sitten aber oft genug scheint es auch in Vergessenheit zu geraten.

Es muss nicht in 3m hohen neonfarbigen Lettern gedruckt werden damit eine Botschaft den Adressaten erreicht. Dass man selbst keine Antenne für bestimmte Dinge hat bedeutet nicht, dass alle keine Antennen haben. Sie funken nur auf anderen Wellenlänge.

Oder haltest Du es für Möglich, dass Koreaner die ihr Leben lang in der Kultur verbracht und dabei täglich trainiert haben die Signale zu interpretieren nicht einmal in der Lage sind das zu sehen was ein Fremder sofort gesehen hat?

Da wäre etwas Bescheidenheit angebracht.
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iGEL (Administrator) #3
User title: 이글
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Moin!

Wie es genau in Korea aussieht, weiß ich nicht, auch wenn mir die genannten Berichte übertrieben erscheinen. Korea ist ein demokratischer Staat und generell wesentlich direkter als beispielsweise Japan. Es ist zwar schwierig, höhergestellte zu kritisieren, aber meiner Beobachtung nach stimmt dies nicht für die Medien. Zumindest, wenn man sieht, wie sie mit Roh Moo-hyun (vorheriger Präsident) umgegangen sind...

Zudem finde ich, dass wir und in Deutschland auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollten. Klar, alle Jubeljahre gibt es auch mal einen Journalisten, der seine Berufung nicht darin sieht, Agenturmeldungen ab- bzw. umzuschreiben. Aber wenn tatsächlich etwas aufgedeckt wird, kommt meist von dritten, etwa Verbraucherzentralen oder WikiLeaks.

Gruß, Johannes
Offizieller Dogil.net / Meet-Korea-Twitter-Kanal: http://twitter.com/DogilNet
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딸기 티안 #4
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ach der Artikel ... das Land will mehr als einen Gold Medaillen Gewinner vorzeigen koennen und die andere Seite will noch mehr Gold und Ruhm. Der sportliche Aspekt rueckt da mal wieder in den Hintergrund.

Das ist fuer mich auch keine frage des investigativen Journalismuses, denn in Deutschland gibt es genau das selbe oder sagen wir mal so und vielen anderen Sportarten ist es genau so. Das man solche "geschaefte" nicht unbedingt Puplic machen wollte ist doch klar.

btw: ist es auch in den TV News gewesen.
Deluk #5
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In reply to post #3
Ich kenne den Koreanischen Journalismus eigentlich nur als Konsument der (Koreanischen) 21:00 Uhr Nachrichten und ich blätter öfter mal die englischsprachigen Zeitungen hier durch. Dabei fällt mir schon auf, dass der (Koreanischsprachige) Journalismus in Korea irgendwie anders funktioniert als im Westen. Wenn ich in Korea Nachrichten schaue, hab ich immer das Gefühl, dass nur gezeigt wird das Korea/Koreanische Firmen im Besten Licht erscheinen lässt.
Bis vor kurzem waren z.B. täglich in den Nachrichten hämische Berichte über Toyota-Qualitätsprobleme/Rückrufe zu sehen. Die zeitgleichen Rückrufe von Koreanischen Kfz-Herstellern wurden mit keinem Wort erwähnt. Wobei in Korea wesentlich mehr Leute von diesen Rückrufen betroffen waren. Was auch in keiner Nachrichtensendung fehlen darf, sind Berichte über irgendwelche Gauner, die man gefasst hat und vor laufender Kamera ihre Schuld eingestehen.
Ich persönlich hab hier in der Tat ständig das Gefühl, gefilterte "Es geht voran, alles wird gut" Nachrichten vorgesetzt zu bekommen.

Ein anderes schönes Beispiel wie Journalismus in Korea funktioniert finde ich diesen Gen-Forscher (Hwang, Woo-Suk):
http://www.tagesschau.de/ausland/meldung143088.html
Kurz zusammengefasst:
Hwang, Woo-Suk hat vor einigen Jahren spektakuläre Klon-"Ergebnisse" und "bahnbrechende" Stammzellenstudien präsentiert. Die veröffentlichten Ergebnisse waren alle gefälscht. Später kam noch raus, dass die so ergaunerten öffentlichen Forschungsgelder von ihm veruntreut wurden und auf seinem Privatkonto landeten.

Interessant ist nicht dieser Betrüger, sondern die Reaktion darauf in Korea:
Es ging nämlich ein Aufschrei der Entrüstung durch Korea. Aber nicht etwa weil ein Trickbetrüger die ganze Welt an der Nase herumgeführt hat und dabei koreanische Steuergelder für sich ergaunert hat.
Der Zorn richtete sich gegen die Journalisten, die es wagen den Herrn Professor zu verdächtigen. Der schuldige in der öffentlichen Meinung (und einigen Medien) war nicht Hwang Woo-Suk, sondern die Journalisten die man für Nestbeschmutzer hielt, die das Ansehen von Korea international in den Dreck ziehen und seine "Forschungsarbeit" schlecht reden.

Zusammengefasst denke ich: Es gibt Aufdeckungs-Journalismus, sonst wäre es der Fall Hwang nicht ausgekommen. Trotzdem wollen IMHO viele Leute gar nicht so genau wissen, was hinter den Kulissen geschieht, solange ein gewisser Erfolg zu sehen ist und die Harmonie gewahrt bleibt. Als Journalist wagt man sich hier glaub tatsächlich auf sehr, sehr dünnes Eis. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass die Arbeit eines investigativen Journalisten in Korea von der Öffentlichkeit einfach nicht als "Sinnvoll/Wertvoll" angesehen wird.
Mich würde aber noch interessieren, wo der "Filter" liegt. Wenn jemand nicht über Rückrufe Koreanischer Kfz-Hersteller berichtet liegt der Filter im Kopf des Journalisten der nicht investigiert oder in der Redaktion, die es nachher nicht bringt. (Warum auch immer)
This post was edited on 2010-04-09, 03:19 by Deluk.
imnida #6
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Ich sehe es aehnlich wie Deluk. Es ist schon viel Gute-Laune-Journalismus, oft tendentiell.
Doch ist Suedkorea seit gerade mal stark 20 Jahren eine Demokratie. So etwas muss sich auch entwickeln.
Allerdings gibt es wohl kontextbedingte Unterschiede zwischen "asiatischem" und "europaeischem" oder "amerikanischem" Journalismus. Ausserdem finde ich es logisch, wenn sich grundsaetzliche soziologisch/kulturelle Verhaltensweisen in den Medien wiederspiegeln. Man ist ja untereinander auch nicht gerade direkt.

Aber wenn ich mich richtig erinnere ist der Mega-Forschungsskandal um Hwang Woo-Suk nicht durch die Presse aufgedeckt worden, sondern durch Wissenschaftler.
Racka-macka-phone #7
Member since Oct 2006 · 80 posts · Location: Frankfurt
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Leider ist mein Koreanisch noch nicht gut genug um Koreanische Zeitungen wirklich lesen zu können. Als englische Zeitung nutze ich vor allem http://english.hani.co.kr/kisa/section-014000000/home01.html

Ich habe eigentlich den Eindruck, dass Hankyoreh einen ziemlich guten Journalismus betreibt. Leider ist das englische Angebot nicht so ausführlich. Bei den "Columns" gibt es oft sehr kritische Meinungen (wobei dies auch oft ins polemische Lee Bashing abdriftet). Soweit ich weiß, liegt die Zeitung was die Reichweite angeht weit hinter Chosun Ilbo usw.

Ich denke, dass in Korea einfach eine stärkere Identität mit der koreanischen Nation vorhanden ist, wodurch diese stärkere positive Darstellung resultiert. Auch die konfuzianische hierarchische Ordnung und der Respekt vor höher gestellten Personen trägt dazu bei, dass sich der Journalismus in Korea von unserem unterscheidet. Wenn man eine hohe Respektperson diskredtiert dann stellt man ja auch in gewisser Weise das gesellschaftliche System und somit sich selbst auch in Frage. Da sagt man sich lieber "Daehan Mingug YEAH YEAH YEAH".

Aber das ist natürlich nicht auf jeden und alle Situationen anwendbar, sondern eher meine tendenziellen Eindrücke.

Die Berichterstattung bezüglich Japan ist nochmal ein eigenes Thema glaube ich. Auch wenn das Verhalten der japanischen Regierung bezüglich Korea oftmals zu verurteilen ist, muss nicht aus jeder Mücke ein Nationalismus Elefant gemacht werden. Das Thema wird meiner Meinung nach einfach gerne genutzt um von innenpolitischen Problemen abzulenken.
Gummibein #8
Member since Feb 2008 · 881 posts
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In reply to post #6
Konkret auf den angesprochenen Fall bezogen, den Koreanern ist Vetternwirtschaft kein Fremdwort. Sie erleben sie, leiden unter ihr und praktizieren sie dennoch aktiv. Selbst wenn es um so banale Dinge geht wie bekomme ich die frischesten Fische sieht man die Beziehungkette heftigst arbeitet. Ich kenne jemanden, der jemanden kennt dessen Schwager usw. usw.  Wenn also zwei Athleten ohne Nennung von Gründen (z.B. Verletzung, Abkehr vom aktiven Sport) nicht am Start sind ist schon alles gesagt.

Was soll daran investigativer Journalismus sein wenn der Spiegel meldete Angela Merkel atmet Luft?!

Natürlich gibt es Neigungen in Korea und wohl in weiten Teilen Asiens, dass Menschen Unfehlbarkeit/Unangreifbarkeit zugesprochen wird wenn sie eine bestimmte Stufe erreicht haben. So waren selbst die unfähigsten Könige/Kaiser nie Schuld. Schuld waren die intriganten Beamten, Eunuchen, Frauen, etc. etc.

Zum Glück hat hier im "Westen" hat nur der Papst diese Position, alle anderen werden nach ihrer Verantwortung gemessen.
sowhat93 #9
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http://www.ohmynews.com/
http://twitter.com/PRESSIAN_news
Gummibein #10
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In reply to post #7
Quote by Racka-macka-phone:
Ich denke, dass in Korea einfach eine stärkere Identität mit der koreanischen Nation vorhanden ist, wodurch diese stärkere positive Darstellung resultiert.

Ich denke es ist eher ein Ausdruck der eigenen Unsicherheit bzw. einem mittlerweile wirklich nicht mehr nötigen Minderwertigkeitskomplex.

Wenn ich mir einer Sache sicher bin muss ich es nicht jeden Tag betonen und bin auch nicht verunsichert wenn mich jemand daraufhin anspricht.

Wenn ich 70kg wiege mache ich mir keine Gedanken über mein Gewicht, kann jeden Witz über Gewicht über mich ergehen lassen un abnehmen wenn ich bei 71kg gelandet bin. Bei 120kg sieht es natürlich ganz anders aus.
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3do #11
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Ich finde es seltsam, dass z.B. in den KBS 9시 뉴스 - eigentlich DIE Hauptnachrichtensendung (geht glaube ich sogar eine Stunde!) - sich in der Regel ALLES nur um Themen mit Koreabezug dreht, seien es Innen- oder Außenpolitik, Binnenwirtschaft, Außenhandelsbeziehungen, Sport (!), oder eben (in epischer Breite) diese berüchtigten Stories um Verfehlungen mehr oder weniger berühmter koreanischer Mitbürger ... BIG DEAL ist meines Wissens auch immer wieder der Immobilien- und Real-Estate-Markt. Was SONST in der Welt passiert, erfährt man höchstens, wenn auch Koreaner oder Koreanischstämmige darin verwickelt sind (wie etwa dieser Amokläufer in Virginia vor zwei Jahren oder die in Afghanistan entführten Missionare). Ansonsten herrscht in der koreanischen Berichterstattung im Grunde statt Tagesschau nur Nabelschau. Das gleiche setzt sich nach meiner Erfahrung im Internet fort. Und es stimmt, besonders investigativ erscheint mir das alles nicht (aber um das genauer zu beurteilen fehlen mir leider die nötigen Koreanischkenntnisse).  ;-)
Peter Müller (Guest) #12
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In reply to post #7
Quote by Racka-macka-phone:
Da sagt man sich lieber "Daehan Mingug YEAH YEAH YEAH".

Was heißt Daehan Mingug?
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Seoulman #13
Member since Sep 2008 · 443 posts · Location: Seoul
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Was heißt Daehan Mingug?

대한민국 = Republik Korea
Gummibein #14
Member since Feb 2008 · 881 posts
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In reply to post #12
Quote by Peter Müller:
Quote by Racka-macka-phone:
Da sagt man sich lieber "Daehan Mingug YEAH YEAH YEAH".

Was heißt Daehan Mingug?

Ich hoffe Microsoft hat bei Korean IME nicht geschlampt. :)

대한민국   <- Hangul
大韓民國   <- Hanja

Wortwörtlich soll es wohl "Große Han Volk Land" heissen.

Das ist die in Südkorea gebräuchliche Bezeichnung für Südkorea.
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Soju #15
Member since Jan 2007 · 2277 posts · Location: München
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In reply to post #12
Denke mal das es seit dem jetzigen Präsidenten mit der Demokratie in Korea leider wieder Bergab geht....
Das langsame gleichschalten der Medien und des Internets ist leider ein trauiges Zeichen dafür ...
@3do
KBS ist Regierungssender, na klar das die alles für sich ins positive Licht stellen ...
Vergiss den Sender ...sorry "so what 93" ;-)

Wie "Racka Macka" bemerkt hat ist "Hankyoreh" leider einer der wenigen Journalien die ein wenig kritisch sind, werden daher in SKorea als Kommunisten beschimpft ...tzzz
Leider sind die Infos auf der Englischsprachigen Seite ziemlich langsam und das Angebot eher rar...
Wenn man SKorea aber richtig hassen lernen will muss man "Chosun Ilbo" lesen :-) Patriotismus, Schwarzmalerei auf untersten Bild Niveau ...

Leider interessiert sich die junge Gesellschaft mehr für Drama, K-POP, Fernsehshows und Superstars als für vernünftige Politik im eigenen Land und es herscht bei vielen grosse Desinteresse für Politik :-(
Ich kann mich noch an die 80er und 90er erinnern, als Horden von Studenten auf die Strasse gegangen sind ...:-(
Was für ein Potential da wäre haben die friedlichen Demos gegen die Einfuhr aus der USA nach Korea gezeigt...

Grüsse aus dem Freistaat Bayern ....HahaHa ;-)
This post was edited on 2010-04-09, 13:11 by Soju.
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