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Verwendung der Hanja
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miri83 #1
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Subject: Verwendung der Hanja
Hallo,

ich habe gerade mit dem Koreanisch-Lernen angefangen und war etwas erstaunt, dass einem da auch (früher oder später) die chinesischen Zeichen (Hanja) über den Weg laufen. Da ich schon gut zwei Jahre Chinesisch gelernt habe, machen die ca. 2000 Hanja mir nicht wirklich Angst, aber dennoch bin ich verwundert bezüglich ihrer konkreten Anwendung.

Ich habe gelesen, dass die klassischen koreanischen Namen in Hanja geschrieben werden und das Hanja hauptächlich zum Auflösen von Problemen zum Einsatz kommen, wo Homophone im Spiel sind. Ich habe zwar schon häufiger mal einen koreanischen Text gesehen, aber niemals habe ich darin Hanja gesehen. Tauchen diese nur in Wörterbüchern auf oder ist es auch möglich sie mit Hangeul zu mischen? Falls ja, wäre jemand vielleicht so freundlich, mir einen entsprechenden Link zu geben?

Danke und Gruß,
Miriam
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iGEL (Administrator) #2
User title: 이글
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Moin Miri, willkommen an Board! ^_^

Ich habe bisher nur Namen in Zeitungen in Hanja gesehen, abgesehen natürlich von den Straßen- & Haltestellenschildern. Darüber sollen aber viele Fachbücher bestimmter Richtungen viele Hanja enthalten, etwa Gesetzestexte oder vielleicht auch Medizin. In den Zeitungen standen nur die Hanja des Namens, ohne Hangeul, gleichberechtigt in dem Text, der sonst offenbar komplett in Hangeul geschrieben war.

Es ist aber offenbar auch möglich, die Hanja in Klammern hinter dem gleichen Wort in Hangeul anzugeben. Die koreanische Wikipedia macht das z. B.: http://ko.wikipedia.org/wiki/헌법. Das habe ich bei Computerbüchern auch oft mit englischen Worten so gesehen.

Wo wir gerade beim Thema sind: Ich habe das Gefühl, dass Hanja ausschließlich bei Nomen Anwendung finden, bzw. bei Verben, die von solchen Nomen abgeleitet werden? Etwa 妨害 (hoffentlich richtig) = 방해 = Störung ~> 방해하다 = stören ~> 방해한 = störendes  ~> 방해받다 ~> gestört werden. Andere Anwendungen habe ich bisher nicht gefunden.

Gruß, Johannes
Offizieller Dogil.net / Meet-Korea-Twitter-Kanal: http://twitter.com/DogilNet
Gummibein #3
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Ist eine Ewigkeit her aber vor zig Jahre wurden in Tageszeitungen Hangul und Hanja wahllos gemischt so wie man hier z.B. Fremdwörter benutzt.

Bei den Überschriften scheint man es heutzutage dank der Bedeutungsdichte (mehr Information pro m^2 :)) immer noch so zu handhaben da die Spalten nicht endlos breit sind.
miri83 #4
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Ah, danke für die Antworten.

Habe auch gehört, dass viele der jüngeren Generation nur einen Bruchteil beherrschen (Akademiker mal ausgenommen), stimmt das?
Dann kommt man als Normalo-Koreanisch-Kundige auch bestens ohne Hanja aus, oder?
Gummibein #5
Member since Feb 2008 · 881 posts
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Naja, wie man es nimmt.

Bei gesprochener Sprache gibt es natürlich kein Problem aber wenn ich mal z.B. bei Google News die Überschriften überfliegen will nervt es mich schon, dass ich die Gelegenheit Hanja quasi nebenbei aufzusaugen verpasst habe.

Jetzt fehlt mir die Energie / Anreiz um mich auf meine Hintern zu setzen und ein paar Stunden zu investieren.

Was die Beherrschung betrifft, es wird wohl wie hier sein mit Fremdwörtern. Einige haben ein größeres (Fremd)-wortschatz, andere kommen mit weniger aus.
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Nomou #6
User title: Koi
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Seit dem 4. Jh. n. Chr. bis zur Entwicklung und Veröffentlichung des koreanischen Alphabets 1446 wurden Hanja benutzt, um koreanische Texte zu verfassen.
Das ging natürlich nur bedingt, da die Grammatik in Koreanisch und Chinesisch komplett anders ist und die Hanja eigentlich nicht 100% für die koreanische Syntax geeignet sind.
Deswegen wurde oft für die Schriftsprache auf Reinchinesisch zurückgegriffen.
Später haben sich verschiedene Mischformen entwickelt, also ja, man kann koreanisch und chinesisch mischen.

Allerdings wird in Korea, wie z.B. in Taiwan, das traditionelle Chinesisch benutzt, anders als die vereinfachte Schreibweise des modernen Chinesischen.

Hanja sind per Definition immer Nomen: In Koreanisch gibt es im Grunde nur Verb oder Nomen. Da Hanja alleine nicht als Verben fungieren können, sind es folgerichtig Nomen.
Mit Hilfsverb, also i.d.R. 하다, ergibt es dann erst ein grammatikalisch vollwertiges Verb.

Wie schon vermutet, werden die Hanja bei Homophonen gerne verwendet, um Eindeutigkeit zu gewährleisten, da die Hanja ja bedeutungstragend sind.
Aktuell werden sie in Zeitungen oder wissenschaftlichen Texten gerne benutzt, dabei in unterschiedlichem Ausmaß, je nach Autor/Situation/Zielgruppe etc.
Sie dienen auch als "eyecatcher", die die Orientierung im Text vereinfachen und so die Lesbarkeit verbessern (Kenntnis der Hanja vorausgesetzt).

Bei koreanischen Vornamen werden Hanja meistens als Grundlage verwendet, die Bedeutung ist natürlich sehr wichtig und maßgeblich bei der Entscheidung für einen bestimmten Namen beteiligt.
Die koreanischen Familiennamen kann man auch fast alle mit Hanja schreiben.

Ende des letzten Jahrtausends wurden 1800 der am häufigsten benutzten Hanja festgelegt, die als Standard gelten und von denen die koreanischen Schüler die Hälfte bis zum Ende der Mittelschule lernen.
Aktuell sind Hanja wieder vermehrt gefragt, viele Unternehmen bevorzugen - oder akzeptieren überhaupt erst - Bewerber, die ein bestimmtes Niveau an Hanja-Kenntnissen vorweisen können, im Zusammenhang mit der boomenden Wirtschaft in China und Globalisierung etc.

Im Kontrast dazu werden sie im Internet eher wenig benutzt.

Hanja zu lernen ist letztlich nur Fleißarbeit. Es ist einfacher als japanische Kanji zu lernen, weil es pro Hanja bis auf wenige Ausnahmen nur eine Aussprache gibt.
Der Schlüssel für dauerhaft bleibende Kenntnisse ist m.E. wie so oft häufige Wiederholung und Training.
Allerdings vereinfacht es neben der Orientierung/verständnis in koreanischer Fachliteratur auch das Vokabellernen und fördert die Fähigkeit, auf Bedeutungen unbekannter Vokabeln zu schließen.
Deswegen würde ich jedem Koreanischlerner empfehlen, sich zumindest ein gewisses Grund-Repertoire wichtiger hanja anzueignen.

lg
Nomou
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