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Tenure Track in Korea
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Phoonzang #1
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Subject: Tenure Track in Korea
Hallo Zusammen,

ich war vor ca. einem halben Jahr für 3 Monate in Seoul, als Austauschwissenschaftler, und das stöbern hier im Forum hat mir in der Zeit wirklich geholfen und ich habe auch ein paar nette Bekanntschaften darüber gemacht (auch wenn ich leider nie zu den Stammtischen kommen konnte - tortzdem danke für die persönliche Einladung Goodfriend).

Und genau deshalb denke ich ist meine Frage hier gut aufgehoben.


Zur Situation:

Ich bin grade auf der Zielgeraden meiner Doktorarbeit (Materialwissenschaft) und denke darüber nach, wie's weitergehen soll. Auf jeden Fall möchte ich einige Zeit im Ausland verbringen.
Jetzt hat der koreanische Professor an der SNU mir das Angebot gemacht, als PostDoc zu ihm tu kommen, und an der SNU gibt es darüber hinaus (wie er sagt) ein Programm, dass ausländische Wissenschaftler sehr schnell auf den "Tenure Track" führt. Führ alle, denen das nichts sagt: Der Tenure Track ist ein weg, Professor zu werden, "Tenure" heisst dabei, dass man als Professor "ganz oben" ist, also was hier die C4 sind (höchste Dotierungsstufe für Profs). Und das würde eben (lt. meinem koreanischen Prof)viel schneller gehen, als es sonst der Fall ist.

Zu mir persönlich Ich bin nicht wirklich karrieregeil, aber jüngere Entwicklungen in meinem Leben haben sich so ergeben, dass ich eine Herausforderung brauche und auch annehmen kann/will.

Jetzt die Fragen:

- Ich habe meinen Aufenthalt in Korea damals sehr genossen, allerdings bin ich mit der Arbeitswiese der Koreaner überhaupt nicht klar gekommen. Wie stehen die Chancen, dass ich als "Senior Scientist" da etwas europäischen Wind reinbringen kann? Vor allem die Kultur, dass nicht nur Anwesenheit zählt, sondern das, was man geschafft kriegt?

- Der Tenure Track würde quasi 5 Jahre aufenthalt in Korea erfordern. Kann man als Europäer damit klarkommen? Ich habe  mich in den dreiMonaten schon als "Fremdling" gefühlt, wie ist das, wenn man richtig lange da ist?

- Meine Frau ist hier in Deutschland Lehrerein, und sie würde mitkommen und auch arbeiten wollen. Welche Möglichkeiten gibt es da? Sprachschulen scheinen eine Option zu sein, aber gibt es auch andere Möglichkeiten?


Und zum Schluss ganz persönlich: Ich hätte furchtbare Angst, hier alles abzubrechen und für mehrere Jahre nach Korea zu gehen, in den drei Monaten die ich da war, war mir alles so Fremd, und ich habe mich immer als Fremder gefühlt, also alle aufmunternden Worte, dass so eine Entscheidung die Richtige sein könnte, sind willkommen :)


Gruß,

Phoo
Deluk #2
Member since Mar 2009 · 190 posts · Location: Seoul
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Hi Phoo,

also zunächst mal, klingt das nach einem Angebot, dass man nicht oft bekommt.

"- Ich habe meinen Aufenthalt in Korea damals sehr genossen, allerdings bin ich mit der Arbeitswiese der Koreaner überhaupt nicht klar gekommen. Wie stehen die Chancen, dass ich als "Senior Scientist" da etwas europäischen Wind reinbringen kann? Vor allem die Kultur, dass nicht nur Anwesenheit zählt, sondern das, was man geschafft kriegt?"
Leider habe ich keinen Einblick in das Koreanische Universitätswesen, aber ich arbeite seit 3 Jahren in Korea in der Industrie im F&E Bereich und bleibe noch ein Jahr.
Bei uns ist es auch üblich, dass die Leute bis spät Abends in der Firma sind und z.T. auch Samstags kommen, aber die Zeit dort nach Deutschen Maßstäben nicht unbedingt sehr effektiv sind.
z.B. benötigt eine Aufgabe, die typischerweise in Deutschland ein Ingenieur in einer Woche abschließt, in Korea auch eine Woche.
Nur ist der Deutsche Kollege 35 bzw. 40 Stunden in der Firma und jammert rum, dass er ständig in Besprechungen sitzt. Der Koreanische Kollege ist von 8:00 Uhr bis min. 20:00 Uhr in der Firma und kommt meist auch noch Samstags.
Woran liegt das nun, dass die Leute so lange bleiben?
Der Hintergrund ist IMHO, dass die Leute in Korea von den Firmen gezielt zum lange bleiben motiviert werden. Das läuft z.B. folgender maßen ab:
- Wenn Beförderungen anstehen, ist die geleistete Arbeitszeit (=Anwesenheitszeit) ein gern genommenes Kriterium. (das lässt sich so schön/einfach vergleichen)
- Die langen Arbeitszeiten lässt man sich ausbezahlen. Warum sollte also jemand zu Hause im Internet surfen, essen,... wenn er im Geschäft dafür bezahlt wird?
- In der "Anwesenheitszeit" ist jeweils eine Stunde Pause für Frühstuck/Mittag-/Abendessen reingerechnet.
- Es gibt noch unzählige andere Punkte wo die Anwesenheitszeit berücksichtigt wird. (z.B. bei Vergabe von (sehr günstigen) Werkswohnungen ist das u.A. ein Kriterium,...)
Im Umkehrschluss ist es dann auch verständlich, dass man, wenn man eh min.12h in der Firma zu sein hat, es eher ruhig angehen lässt.

Worauf ich hinaus will, wenn Du über diesen Dingen stehts, womit die Firmen/Unis Ihre Leute zum lange bleiben motivieren, kannst du durchaus eine andere Arbeitskultur pflegen. Wenn Dein Beruflicher-Weg aufgrund des "Tenure Track" eh vorbestimmt ist, hast Du schon mal gute Karten.
Du hast ja schon eine gewissen Einblick den Uni-Arbeitsalltag. Frag Dich mal warum die Leute so lange bleiben. Dann überlege Dir, ob diese Punkte auch auf Dich zutreffen. Ich kann nicht einschätzen, wie Dein Verhältnis zu Deinem Prof ist. Aber wenn möglich, sprich doch einfach mal an, dass Du eine andere Arbeitskultur gewohnt bist und gerne früher gehen würdest - Deine Arbeit aber nicht darunter leidet, weil Du sehr effektiv bist. Als Ausländer hast Du da einen gewissen Vorteil/Bonus. Da wird es eher akzeptiert.
Ich persönlich gehe auch Abends um 18:00 Uhr nach Hause. Von meinen Kollegen wird das akzeptiert, Du musst halt irgendwann (vorsichtig) rüberbringen, dass Sachen die man um 17:45 Uhr auf den Schreibtisch bekommt auch bis morgen warten können, weil Du jetzt gehts.

- Der Tenure Track würde quasi 5 Jahre aufenthalt in Korea erfordern. Kann man als Europäer damit klarkommen? Ich habe  mich in den dreiMonaten schon als "Fremdling" gefühlt, wie ist das, wenn man richtig lange da ist?
Da muss ich Dir eine Illusion nehmen: Du wirst Dich immer als "Fremdling" fühlen, weil Du einer bist und bleibst. Ein Blick genügt. Du kannst noch so gut Koreanisch sprechen, Dir sogar so einen albernen silbernen Glitzeranzug mit Rosa-Hemd und eine Glitzersteinchen-Krawatte vom Namdaemun anziehen. Du bleibst Ausländer. Wobei ich (als Europäer) sehr gut damit klar komme (und keine Glitzeranzüge trage).
Im Ernst, schau Dir mal: z.B. http://forum.meet-korea.de/thread/3294 an. Die meisten fühlen sich in Korea eher "positiv diskriminiert".
Ich persönlich würde die Entscheidung nach Korea zu gehen jederzeit wieder treffen.

- Meine Frau ist hier in Deutschland Lehrerein, und sie würde mitkommen und auch arbeiten wollen. Welche Möglichkeiten gibt es da? Sprachschulen scheinen eine Option zu sein, aber gibt es auch andere Möglichkeiten?
Es gibt eine Deutsche Schule und einen Deutschen Kindergarten. Ich kenne einige "mitgereiste" Ehepartner die für einige Jahre dort arbeiten. Kontaktire die doch einfach mal. (http://www.dsseoul.org/)


"Auf jeden Fall möchte ich einige Zeit im Ausland verbringen."
vs.
"Ich hätte furchtbare Angst, hier alles abzubrechen und für mehrere Jahre nach Korea zu gehen,"
Das Eine geht ohne das Andere leider nicht.
Phoonzang #3
Member since Mar 2009 · 19 posts
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Vielen Dank für deine auführliche Antwort, Deluk. Du hast mir auf jeden Fall schon einmal sehr geholfen. Vor allem der Einblick in die Zusammensetzung der Arbeitszeit war sehr informativ.
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iGEL (Administrator) #4
User title: 이글
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Moin!

Also, dass du dich nach drei Monaten als Fremdling fühlst, ist nicht so untypisch. Es gibt das Phänomen des Kulturschocks, der sich in mehrere Phasen teilt. Zuerst nimmt man alles sehr positiv wahr und verklärt mögliche Reibungspunkte. Alles ist neu und toll und es gibt viel zu entdecken. Nach ca. 3 Monaten tritt das genaue Gegenteil ein, man ist von vielem genervt. Viele Sachen funktionieren einfach anders als zu hause, das braucht Zeit zum Umstellen. Später normalisiert man sich wieder. Das ist natürlich bei jedem anders, bei mir war der Effekt relativ mild. Bei dir kann es natürlich sein, dass du dich nie wohl fühlst. Aber 3 Monate scheinen allgemein der Höhepunkt zu sein.

Man kann sich natürlich auch abkapseln und sich nur mit Ausländern in Itaewon umgeben. Wäre aber gar nicht mein Fall.

Wegen der Angst, alles abzubrechen und für mehrere Jahre zu verschwinden: Was hast du zu verlieren? Gute Freunde sind auch nach 5 Jahren noch da, und dank Skype und Telefon kann im Vergleich von vor 10 Jahren kann man doch gut Kontakt halten. In Bezug auf die Karriere ist das sicher sehr positiv. Und wenn es dir absolut nicht gefällt oder anders ausgeht, kannst du immer noch nach Deutschland zurück kommen und wärst dort, wo du aufgehört hast.

Gruß, Johannes
Offizieller Dogil.net / Meet-Korea-Twitter-Kanal: http://twitter.com/DogilNet
Esther (Guest) #5
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In reply to post #1
Hallo,
ich arbeite seit 10 Jahren an koreanischen Unis und fuehle mich gut integriert.
Ob dir mein Kommentar was nuetzt, weiss ich natuerlich nicht, aber ich schreibs einfach mal.
Ich wuerde mir an deiner Stelle vor allem gut ueberlegen, ob du nach den 5 Jahren Korea wieder nach Deutschland willst und falls ja, ob du mit deiner koreanischen Karriere in Deutschland was anfangen kannst. Ehrlich gesagt, ich hab da ein bisschen meine Zweifel, da koreanische Unis, jedenfalls was die Geisteswissenschaften betrifft, deutlich unter dem Niveau westlicher Unis liegen... Wie das bei Materialwissenschaft ist (was ist das eigentlich? *^^*) kann ich natuerlich nicht beurteilen, aber ich bin eher skeptisch.

Und ob du die koreanische Arbeitsweise veraendern kannst? Das glaube ich nicht. Koreaner werden die deutsche Denkweise an deutschen Unis auch nicht als Einzelperson veraendern koennen.

Also, ich fuehl mich wirklich wohl in Korea, sprech Koreanisch und will hier auch weiter leben - das ist jetzt kein Korea-bashing gewesen, sondern m.E. eine realistische Einschaetzung. Wenn du weisst, worauf du dich einlaesst, kannst du sicher auch besser entscheiden, ob das was fuer dich/euch ist.

Viel Glueck bei eurer Entscheidung!
C.
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