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Ausländer erster- und zweiter Klasse
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Deluk #1
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Subject: Ausländer erster- und zweiter Klasse
Hallo Forum,

ich habe gerade folgenden interessanten Artikel zum Thema "Diskriminierung von Ausländern in Korea" gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten will:
http://www.koreaherald.co.kr/NEWKHSITE/data/html_dir/2009/…

Hier wird berichtet, dass in Korea Asiatische/Afrikanische Ausländer besonders deren Koreanische Lebenspartner offenen Anfeindungen ausgesetzt sind. Der auslösende Fall war natürlich ein extremes Beispiel, aber er berichtet vor allem auch von „alltäglicher Diskriminierung“.

Indische Kollegen haben mir auch schon berichtet, dass sie von Koreanern anders behandelt werden, wenn sie sich alleine in Korea bewegen, wie wenn z.B. ich dabei bin. Das gibt mir schon zu denken...

Was ist Eure Meinung zu dem Thema?

Fühlt sich von Euch oder euren Lebenspartnern jemand diskriminiert?
Habt Ihr das Gefühlt, dass es Ausländer erster und zweiter Klasse gibt?
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orosee #2
User title: Ernst ist anders.
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Ich glaube, das ist schon ein wenig mehr als selten. "Extrem" eigentlich nur deshalb, weil hier der Angegriffene sich mal gewehrt hat und es ein ueberraschendes Urteil gegeben hat. Die koreanische Presse hat ja auch nicht, wie Hussain in seinem Artikel selber sagt, die Haltung gegenueber der (koreanischen) Begleiterin herausgestellt. Weisse Auslaender werden in Korea meist nur dann diskriminiert, wenn es sich um Englischlehrer oder Soldaten handelt. Es gibt eine eigens dafuer "eingerichtete" Vigilatentruppe, das sogenannte "Anti-English Spectrum", deren Mitglieder es sich auf die Fahne geschrieben haben, dafuer zu sorgen, dass nur "anstaendige" EL in Korea in Frieden leben koennen. Dazu gehoert einmal sicherlich Drogenfreiheit, aber auch die Erhaltung der Ehre der koreanischen Jungfrauen. Im Rahmen ihrer Taetigkeit werden EL ausspioniert, auch schon mal Gewalt angedroht und angewendet, und im allgemeinen viel negative Propaganda in der Presse gemacht.

Mir selber ist eigentlich nur einmal was passiert, als ich mit meiner (nicht koreanischen) Freundin abends unterwegs war. Da wurde sie dann von einem sehr betrunkenen und sehr alten Mann kurz beschimpft, aber das verstand sie zum Glueck nicht.

In vielen Dingen ist es hier selbst bei weisser Haut nicht viel anders, als wenn die Tochter in den 70er Jahren abends mit ihrem neuen tuerkischen gastarbeiterfreund zu Hause aufgetaucht waere. Umso schlimmer dann natuerlich bei den dunkleren Schattierungen.

Das Problem wird aber bald schon viel weiter oeffentlich diskutiert werden muessen, da immer mehr koreanische Maenner auf dem Land ihre Frauen nur noch im suedostasiatischen Ausland finden.

Ein ansonsten sehr vernuenftiger koreanischer Kollege hat mir einmal tatsaechlich seine Sorgen um die koreanischen jungen Frauen erzaehlt, das Wort das er in diesem Zusammenhang benutzte war "Blutschande".

Inder werden im uebrigen fast ueberall in Asien gehasst, selbst da wo die Hautfarbe schon recht dunkel ist. Man sollte das aber nicht akzeptieren, nur weil man eine hellere Haut hat.

Meiner Meinung nach sollten es die Frauen sein, die die koreanischen Maenner anzeigen, wenn sie in der Oeffentlichkeit als "Hure" und schlimmer angegriffen werden. Die Gesetze sind da und ab einer gewissen Anzahl werden das auch die Medien nicht mehr ignorieren koennen. Natuerlich halten viele Frauen es geheim (vor Familie und auch Freunden), wenn sie einen Auslaender als Partner haben. Vielleicht daher die bis jetzt sehr geringe Anzahl (ist Null ueberhaupt eine Anzahl?).

Vergewaltigungen von weissen Frauen passieren hier auch oefter (sagen wir mal, bis zu 10 in einem Jahr in diesem Jahr habe ich von 3 erfahren). Auf der Polizei muss die Frau dann erst nachweisen, dass sie keine Prostituierte ist  8-(  und dass sie den Mann nicht aufgefordert hat (wobei die Tatsache, dass sie eine auslaendische Frau in Korea ist, in beiden Punkten gegen sie gehalten wird). Es gibt dann auch schon mal Verurteilungen, die aber selten ueber 2 Jahre hinausgehen. Das ist bei koreanischen Opfern aber nicht besser.

Und noch was... ich glaube nicht, dass in Korea jemals ein Mann angegriffen wurde, weil er mit einer nicht-koreanischen Freundin unterwegs war...  :nuts:

Letzte Frage: Es gibt eine ganze Menge Klassen hier, ich kann sie nicht in eine richtige Reihenfolge bringen. Aber dunkelhaeutige Auslaender sind sicherlich ganz unten. Ebenso halt EL und US Soldaten. Westliche Touristen und Geschaeftsleute sind schon besser dran, haben aber weniger Privilegien im Alltag, z.B. bei Banken und beim Telefonkauf. Gypos stehen auch irgendwo in dieser gegend herum.

Stellt Euch einfach vor, "Die Republikaner" haetten in den 80ern 51% bei der Bundestagswahl bekommen... und ihr wacht alle mit schwarzer Haut auf.

Okay, das klingt alles sehr negativ aber es aendert sich ja schon! Mir gefaellt es hier halt immer noch gut - weisse Haut und Mangel an Freundinnen helfen da sicher.
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Flo-ohne-h (Moderator) #3
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In reply to post #1
Also meine Erfahrung bisher (d.h. der ersten 2 Monate in K) sind, daß ich innerhalb der Uni keine Diskriminierung feststellen konnte. Es war eher so, daß ich das Gefühl hatte etwas bevorzugt zu werden. Ich habe einfach ein paar Pflichten weniger, bei denen es schlicht und einfach ohne Koreanischkenntnisse (meine sind sehr durchwachsen) nicht geht.

Bei der Vorstellung der Professoren meines Instituts habe ich (als einer von 18) mindestens genausoviel Applaus von den Studenten bekommen wie die anderen, gefühlt sogar etwas mehr (das ist nicht so objektiv zu beurteilen). Die Studenten verhalten sich mir gegenüber etwas anders (etwas westlicher), das hat sich aber erst mit der Zeit so eingestellt und ist die Reaktion darauf, daß ich ein etwas anderes Auftreten als meine Kollegen habe.

Außerhalb der Uni habe ich den Eindruck, daß es sehr ungewöhnlich ist einen Weißen zu sehen, so häufig werde ich teils recht aufdringlich angestarrt - insbesondere von Kindern. Diskriminiert habe ich mich aber auch hier nicht gefühlt.

Was aber auffällig ist, sind die extrem strengen Visaregeln für Chinesen (kenne ich wegen meiner Freundin). Das verstehe ich aber so, daß Korea einfach Angst um seine "völkische Reinheit" (häßliches Wort, trifft den Kern wohl aber) hat und die 25-fache Einwohnerzahl Chinas, die im Durchschnitt etwas Faktor 10 weniger verdienen, draußen halten will.

Als Folge davon hat Südkorea eine ziemlich schlechte Presse bei den chinesischen Bloggern, wobei die Vorwürfe teils auch von kulturellen Unterschieden kommen.
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iGEL (Administrator) #4
User title: 이글
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Moin!

Ich denke schon, dass das Interesse und die Freundlichkeit, die viele Koreaner zeigen, echt sind. Aber einige sind zu Weißen auch nur deshalb freundlich, weil sie sie als gute Möglichkeit sehen, Englisch zu praktizieren. Englischkenntnisse erhöhen den sozialen Status und verbessern die Jobchancen.

Dass Koreaner dunkelhäutigere Menschen, insbesondere aus Südostasien, schlechter behandeln, habe ich auch schon öfter gehört. Der Fall mit dem Inder ist meiner Meinung nach vor allem deshalb krass, weil die Polizei es bei einer gegenseitigen Entschuldigung belassen wollte (Warum sollte sich der Inder überhaupt entschuldigen?). Vermutlich hätte es auch sonst niemand interessiert, wenn der Inder nicht zufällig Professor gewesen wäre.

Gruß, Johannes
Offizieller Dogil.net / Meet-Korea-Twitter-Kanal: http://twitter.com/DogilNet
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Yung Ho #5
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Ich denke, dass das Verhalten der Koreaner gegenüber Ausländern nicht anders ist, wie im Rest der Welt. Es gibt immer Ausländer "erster und zweiter Klasse". Auch in DLand sind z.B. Koreaner oder Japaner beliebter als Türken oder Afrikaner.

Übergriffe von Koreanern auf Ausländer gibt es, aber sie kommen doch sehr selten vor und wenn, dann wird es als was "Außergewöhnliches" betrachtet...aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht. Über diese Berichterstattungen kann ich eigentlich nur schmunzeln. Man sollte die Kirche im Dorf lassen.

Aber wie in vielen anderen Kulturen auch, tragen Ausländer auch ein Stückchen dazu bei, dass sie unbeliebt sind. Z.B. denke ich an die vielen zivilen Koreaner, die in Friedenszeiten von "US-Soldaten" grob fahrlässig getötet worden sind. Es ist natürlich ein Unding, wenn diese Soldaten wegen "höherer Gewalt" von US-Militärgerichte freigesprochen werden. Da sollte man sich vielleicht nicht wundern...

Koreaner, die sich tatsächlich und eloquent für die "reine Blutlinie" einsetzten, gibt es nicht wirklich viele. Natürlich möchten Koreaner, dass ihr Sohn oder ihre Tochter eine(n) Koreaner(in) heiraten, aber nur die wenigsten verstoßen faktisch ihr Familienmitglied, wenn es anders kommt. Dieses Denken kommt in allen Volksgruppen vor. Das Visaproblem für Chinesen hängt eher damit zusammen, dass sie als sehr billige Arbeitskraft nach Korea kommen bzw. geholt werden. Sie besetzten somit den Billiglohnsektor, wollen dauerhaft in Korea bleiben oder tauchen auch nicht selten ab.

Insgesamt sehe ich in dem Artikel wirklich kein echtes Problem.
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orosee #6
User title: Ernst ist anders.
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Na, in Deutschland macht es schon noch Presse, wenn mal wieder Skinheads einen Afrikaner aus der S-Bahn werfen. Und von hier (Korea) aus gesehen wuesste ich auch nicht, ob ich mich noch alleine auf einen Bahnsteig trauen wuerde, nach all den Schlaegereien und Todesfaellen, ueber die ja ausgiebig berichtet wurde. Aber das sind ja nur Ausschnitte aus dem Leben, extrem.

Korea an sich ist ein sehr sicheres Land. Leute schlafen hier auf der Strasse oder in U-Bahnstationen (weil sie im Alk-Koma liegen, klar) und wachen morgen auf um festzustellen, dass sie weder tot noch beraubt worden sind. Sowas wuerde ich in Deutschland eher nicht wagen. Ebenso kann man hier locker im Cafe seinen Computer, seine Jacke, die Handtasche und das Telefon am Tisch liegen lassen, aufs Klo gehen, und wenn man wiederkommt ist immer noch alles da. Wo viel geklaut wird ist halt da, wo viele Auslaender sind  :-/  - denen traue ich selber auch nicht. Und ich meine alle Auslaender, auch und vor allem Weisse.

@Yung Ho, die "vielen zivilen Koreaner" die von US Soldaten fahrlaessig getoet wurden - meinst Du die zwei Maedel die von einem Schuetzenpanzer ueberrollt worden sind? Das war ein Unfall und wurde durch die Medien bloss verzerrt und hochgeschaukelt. Die Soldaten sind auch nicht freigesprochen worden. Das ist alles kommunistisch beeinflusste Propaganda, genauso wie die Rindfleischproteste von 2008.

@Flo, wenn Du Dich besser behandelt fuehlst, dann bist auch Du Opfer einer (positiven) Diskriminierung  :-D Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. In vieler Hinsicht haben es die Koreaner in Korea ja schwerer, weil sie in das Korsett ihrer gesellschaftlichen Normen eingebunden sind, das ja Konformitaet und nicht Individualitaet fordert. Das gilt fuer uns nicht und wird auch nicht erwartet.

@iGel, ich finde die Koreaner sehr ehrlich. Wenn sie Dich moegen, koennt ihr Freunde fuer immer werden. Wenn nicht, dann wird das auch deutlich gemacht. Zumindest da, wo Gefuehle auch gezeigt werden duerfen (also nicht in Hierarchien wie z.B. im Buero).

Bitte nochmal genau beachten: Das Problem war NICHT, dass Herr Hussain Inder war mit dunkler Haut. Das Problem war, dass er mit einer koreanischen Frau zusammen war (die ja anscheinend auch schlimmer angegriffen wurde als er) und eine dunkle Haut hat. Leute werden hier nicht ohne Grund angegriffen, egal woher sie kommen.

Ach so, man muss auch sehen dass ja nicht der ganze Bus sich so benommen hat. Yung-Ho hat auch recht, sowas passiert ueberall. Wie damit umgegangen wird, dadurch unterscheiden sich die Kulturen.
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Deluk #7
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@Yung Ho:
Ich glaube, Du machst Dir das zu einfach. Natürlich gibt es überall auf der Welt "Ranglisten" von Ausländern.
Hier in Korea ist es aber IMHO ein wenig anders: Durch das Konfuzianische System ist die Gesellschaft hier in klare Rangstufen eingeteilt. Das kann man vor allem im Berufsalltag sehr schön beobachten. Im Berufsleben kann man ein "Nach-Oben-schleimen/Nach-Unten-treten" in einer Offenheit und Konsequenz beobachten, dass einem als Westler ganz anders wird.

Im Alltag sieht man zum Beispiel auch, dass "Höflichkeit" abhängig von der (angenommenen) gesellschaftlichen Stellung des gegenüber abhängt. Koreaner können einem durchaus auch mal die Türe aufhalten durch die sie gerade durch sind. Aber nur, wenn sie glauben, dass man es auch wert ist.
Diese Einteilung wird im Berufsleben durch sehr fein granulierte Titelchen geregelt. Im Alltag durch abschätzen des Alters, Bildung, Finanzieller Status(Anhand von Statussymbolen wie Kleidung, Auto,...).
Nun kommt das Problem: Wenn jemand eine dunkle Hautfarbe, das falsche Visum,... hat, landet man hier in Korea immer in der Liste ganz unten. (Egal wie schlau,reich,...) Das war in Europa vor 100-200 Jahren auch nicht anders. Kein Adeliger war zu einen nichtadligen "höflich". Dann kam die Aufklärung und es wurde Mode zu allen höflich zu sein.

Was ich damit sagen will: Im Westen wurde die breite Bevölkerung durch die Aufklärung/Demokratisierung so erzogen, dass man gegenüber allen (auch allen Ausländern) höflich zu sein hat. In Korea ist es dank Konfuzianismus komplizierter. Wenn ein Koreaner gegenüber einem "niederen Ausländer" wie geschildert benimmt, glaubt er sich im Recht!

Man kann dieses "Dunkle Haut = in der Liste ganz unten" Prinzip auch einfach: "Rassismus" nennen. Da gibt es nichts schönzureden.

Ich empfinde mich auch als "positiv diskriminiert". Aber es geht mir hier nicht um mich. Ich mach z.B. auch mit Polizisten bei Alkoholkontrollen "Spässchen" und empfinde die Polizei als zuvorkommend (zu mir). Auch empfand ich das Verhalten mir gegenüber im Visum/Gu-office als absolut zuvorkommend. Frag mal Englisch-Lehrer nach ihren Erfahrungen auf Ämtern. Die Chinesische Immigrantin die vor einigen Monaten in Ihrer Wohnung (grundlos) von der Polizei verprügelt wurde, würde auch anderes erzählen. Der Fall kam übrigens auch nur auf, weil jemand heimlich mit filmte.

Natürlich trifft diese "Höflichkeits-Betrachtung" nicht auf die unteren Ränder einer Gesellschaft zu (Egal wo). Dort gelten andere Regeln wie Höflichkeit. Aber ich rede hier auch nicht von Dumpfbacken, egal ob Deutsch oder Koreanisch.

Zu den Medien:
Wenn ich Abends Koreanische Nachrichten schaue, wird lang und breit darüber Berichtet, wenn einem Bauer 100-Liter Diesel aus dem Tank gestohlen werden, um danach den überführten Verbrecher in Handschellen bei der Vernehmung zu zeigen.
Aber Übergriffe (auch wenn nur rhetorisch) wie dieser werden in den Koreanischen Massenmedien nur ganz am Rand oder überhaupt nicht Thematisiert. In der breiten Gesellschaft sind sie IMHO völlig unbekannt, bzw. akzeptiert.

Mich würde auch mal die Meinung von Koreanern zu diesem Thema interessieren.
nunsaramengel #8
User title: 언제나 행복하세요
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Hi,
ich stimme dem zu dass es überall Ausländerfeindlichkeit gibt, oder ich nenne es meistens "Schubladendenken", und das ist ganz normal, das hat jeder von uns; keiner ist frei von Vorurteilen, wer was anderes behauptet belügt sich selbst. Was den Unterschied macht ist die Art und Weise das auszudrücken, das hängt mit dem kulturellen Hintergrund zusammen, wie man aufgewachsen ist, dem Charakter und dann natürlich auch wie es von der Gesellschaft akzeptiert wird. Ich hab in meiner Zeit in Seoul auch die Sendung "Pandorra's Box" gesehen und da wurde von bösen weißen Männern berichtet die sich besaufen und arme Koreanerinnen belästigen und mit ihnen Sex haben, etc.
Koreaner können sehr direkt sein in vielen Dingen, direkt und auch rücksichtslos; was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Nicht umsonst werden die Koreaner von vielen asiatischen Nachbarn als "Barbaren" angesehen.
Ich persönlich weiß lieber woran ich bin und kann auch Kritik und gnadenlose Offenheit vertragen, und ich wurde auch diskriminiert, weil ich mit irgendwelchen Amis in eine Schublade gesteckt wurde die nach KOrea gehen und viel Kohle mit Englischunterricht verdienen ohne ein Diplom zu haben, und jede Nacht die Koreanerinnen vernaschen. Ich war sehr geschockt als ich auf offener Straße dumm angemacht wurde, hinterher hab ich mir aber gedacht ich würde evtl. auch so agieren wenn das in Deutschland abgehen würde und ich betrunken bin. (Der Typ der mich bedroht hat war stark angetrunken)
Auf jeden Fall diese Art von Diskriminierung gibt es überall und wird es immer geben und man kann sich nicht gegen den Einfluss und die Bildung von eigenen Vorurteilen wehren. Aber je bewusster man sich das alles macht desto besser kann man damit umgehen.
Flo-ohne-h (Moderator) #9
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In reply to post #6
Quote by orosee:
@Flo, wenn Du Dich besser behandelt fuehlst, dann bist auch Du Opfer einer (positiven) Diskriminierung  :-D Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden.

Da muß ich Dir recht geben. discrimen heißt ja auf Latein nur "Unterschied" und ich werde anders behandelt, ergo diskriminiert. Allerdings hat Diskriminierung immer bei uns eine negative Konnotation, deshalb find ich das Wort nicht ganz angebracht.


Quote by orosee:
Thema "Übertreibung der Medien"

Das ist wirklich ein Problem. Einerseits müssen die Medien Informationen verbreiten und auch Mißstände anprangern. Andererseits ist der Übergang zu Stimmungsmache, PR und Propaganda fließend. Alles nicht so einfach.
Flo-ohne-h (Moderator) #10
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In reply to post #7
Quote by Deluk:
Natürlich trifft diese "Höflichkeits-Betrachtung" nicht auf die unteren Ränder einer Gesellschaft zu (Egal wo). Dort gelten andere Regeln wie Höflichkeit. Aber ich rede hier auch nicht von Dumpfbacken, egal ob Deutsch oder Koreanisch.

Also meine negativen Erfahrungen mit Koreanern kamen mit 2 Gruppen bisher zustande:
1. Leute aus der Dumpfbackenecke (zumindest würde ich die nach dem ausgeübten Beruf in diese Ecke stellen)
2. Leute, die sich einfach nur blöd angestellt haben. Sie waren für ihre Position einfach zu inkompetent.

Außerhalb der Uni werde ich wohl von den meisten in die Ecke Englischlehrer oder Student gepackt. Negativ bin ich deshalb nicht behandelt worden. Das liegt wohl auch daran, daß Jeonju ein ganzes Stück von der Grenze entfernt liegt und die Amis deshalb eher selten hier vorbeikommen.
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orosee #11
User title: Ernst ist anders.
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In reply to post #8
@nunsaramengel: Es kommt anscheinend schon mal vor, dass das Fernsehen hier Situationen provoziert (auch gerne mal mit Geld) oder sachlich falsch darstellt, nur um einen gewissen Eindruck zu erzeugen. Im Grunde genommen handelt es sich bei dem meisten Fehlverhalten ja um kulturelle Unterschiede, z.B. ist das Verhaeltnis Freund/Freundin bei Koreanern doch sehr anders als im Westen und vor allem den USA. Gesellschaftlich, nicht technologisch, steht Korea heute etwa dort, wo Deutschland in den 1950ern war: Spiessbuergerliche Moral, Ueberbewertung der (weiblichen) Jungfraeulichkeit, Misstrauen gegenueber allem Fremden. Damals bei uns waren es halt die "Frolleins" mit ihren farbigen GI Freunden, die auf der Strasse beschimpft wurden. Nun gut, damals waren wir Deutschen ja auch alle noch etwas braun im Kopf...

Es gibt seltsamerweise keine Fernsehberichte ueber "böse koreanische Männer [...] die sich besaufen und arme Koreanerinnen belästigen und mit ihnen Sex haben, etc.", wobei das doch taeglich alleine in Seoul tausende Male passiert (dabei schliesse ich mal die "weiche" Prostitution in den Noraebangs und Room Salons mit ein). Was eben alle uebersehen mit ihren Scheuklappen ist, dass es im Grunde doch nur so ist: böse weiße Männer die sich besaufen und mit arme Koreanerinnen belästigen und mit ihnen Sex haben. Way of the World!

Englischlehrer hier sind wirklich unbeliebt, auch bei anderen Auslaendern. Das ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ausser in (vielen) Einzelfaellen, aber das gilt fuer alle jungen Maenner in ihren 20ern, egal woher sie kommen und was sie machen. Inzwischen bemueht sich Korea ja auch, die ganz untauglichen vorher auszusortieren, z.B. durch die Forderung nach einem Bachelor Grad und einem polizeilichen Fuehrungszeugnis. Allerdings auch durch eher obskure Mittel wie jaehrliche AIDS Tests (koreanische Maenner habe in der Regel Sex ohne Kondom, auch und vor allem mit Prostituierten. Junge Amerikaner sind da bei weitem vorsichtiger). Koreanische Lehrer muessen auch zum Arzt, aber ohne diesen Test. Man sieht, die grosse Angst der koreanischen Maenner ist wirklich nur, dass die koreanische Jungfrau entehrt wird (und dann wie ein Kuckucksei eines Tages dem nichtsahnenden, braven koreanischen Mann als Ehefrau untergejubelt wird). Und das, wo viele koreanische Maenner spaetestens nach dem 2. Kind mehr Zeit bei ihrer Geliebten verbringen als zu Hause. Na gut, zu dem Zeitpunkt hat die Frau auch schon was nebenher laufen... oh Mann!

Soviel Kohle gibt es fuer den EL Job eigentlich auch nicht, 2.2 Mio Won sind die Regel, allerdings ist oft wohnen frei und es sind auch meist nur 20 Arbeitsstunden die Woche. Das Geld kommt oft durch (illegalen) Privatunterricht wieder rein.

Das die EL sich oft bloed verhalten liegt auch sicher daran, dass der College-Abschluss nicht in einer "harten" Wissenschaft erfolgt ist, sonder einer Geisteswissenschaft (da ist sie wieder, die Karriere bei McDonald's).  :-p

Wie dem auch sei, es passiert oft und ueberall, dass eine ganze Gruppe wegen des Verhaltens einzelner oder einer kleineren Gruppe mitverurteilt wird. In Bangkok sind es die Sextouristen und Paedophilen, in Deutschland und eigentlich ueberall brauch man auch nicht an die grosse Glocke zu haengen, dass man Nigerianer ist, und wenn man an rumaenische Kinder denkt geht eine Hand sofort zur Brieftasche.

Einschub: Korea WILL sich aendern, und das ist toll. In den U-bahnen laufen Infomercials (habe die auch schon auf YouTube gesehen) in denen das Image "Korea" dem Image "Koreaner" gegenuebergestellt wird, auf ganz einfache und beeindruckende Weise. "Korea" zeigt dabei immer eine positive Seite, "Koreaner" eine sehr negative Seite. Z.B. sieht man erst eine Gruppe Koreaner feiern, Freunde sind zusammen und eine echte Gemeinschaft ("Korea"), dann sieht man einen leeren Bahnsteig und einen einsamen, deutlich auslaendischen Mann ("Korean"). Aussage: Wir unter uns sind eine Gemeinschaft, Aussenseiter bleiben ausgeschlossen. Find ich toll, wird hoffentlich etwas bewegen.

Maaaaann, wieviel kan ein Mann alleine schreiben? Langer Rede kurzer Sinn: Im Moment ist es in Korea noch nicht optimal, aber die Dinge aendern sich zum besseren, es ist auch der Wille da, es gibt konservative Gegenstroemungen die ueberwunden werden muessen (auch ein Generationenkonflikt), und das Urteil ist ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem offeneren, besseren Korea. <-Punkt!
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orosee #12
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@ Myself: Schau mal, ob Du nicht pro Wort bezahlt werden kannst!

@ Alle anderen: Hier ist der Link auf YT:
http://www.youtube.com/watch?v=FuFJpc8xk0c&feature=pla…
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Flo-ohne-h (Moderator) #13
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In reply to post #11
zum Thema Fremdgehen:

es gibt eine Statistik, daß die Zahl der Kuckuckskinder weltweit bei 10% liegt, unabhängig von Kultur, Religion, Nationalität, ... . D.h. es sollte keiner glauben, daß ein Volk in dieser Beziehung besser als ein anderes ist - vielleicht sind die Umstände anders, ...
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orosee #14
User title: Ernst ist anders.
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Quote by Flo-ohne-h:
zum Thema Fremdgehen:

es gibt eine Statistik, daß die Zahl der Kuckuckskinder weltweit bei 10% liegt, unabhängig von Kultur, Religion, Nationalität, ... . D.h. es sollte keiner glauben, daß ein Volk in dieser Beziehung besser als ein anderes ist - vielleicht sind die Umstände anders, ...

So habe ich das auch nicht gemeint, woran ich dachte war das "Kuckucksei" der Illusion einer unbefleckten Braut, d.h. die Angst der Maenner davor, nicht ihr "Erster" zu sein. Langsam werde ich muede... halb fuenf und Freitag... es kommt Freude auf!

Abschliessend fuer heute: man sollte auf keinen Fall ein ganzes Volk aufgrund der Handlungen Einzelner bewerten. Da kaemen wir Deutschen schliesslich auch nicht gut weg, siehe Strassenbahnwerfer, Bahnsteigschlaeger und Prozessmesserstecher. Ich finde allerdings, dass Deutschland und die Deutschen in den vergangenen 15 Jahren irgendwie netter und lockerer geworden sind.
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Flo-ohne-h (Moderator) #15
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Quote by orosee:
So habe ich das auch nicht gemeint, woran ich dachte war das "Kuckucksei" der Illusion einer unbefleckten Braut, d.h. die Angst der Maenner davor, nicht ihr "Erster" zu sein. Langsam werde ich muede... halb fuenf und Freitag... es kommt Freude auf!

Wenn ich mir die Geschichten von Iran&Co., bzw. den in D lebenden aus dieser Gegend, ins Gedächtnis rufe, daß man eben diese Unbeflecktheit wieder herstellen kann und zwar operativ, wird mir ganz anders.

Für mich ist die Idee von der Unbeflecktheit eigentlich nur ein Zeichen, daß die Gesellschaft noch sehr patriarchalisch ist.

Übrigens, haben die beiden "Kuckucks"-Begriffe doch schon soweit etwas miteinander zu tun.

Wenn ich das zusammenfasse, was mir meine Studentinnen und Studenten bisher erzählt haben, komme ich zum Schluß, daß die koreanische Damenwelt noch sehr viel Nachholbedarf in Sachen Romantik hat und die Herrenwelt diese nicht bieten kann/will. Daß junge westliche Männer (Englischlehrer), die im Durchschnitt etwas mehr Erfahrung in Sachen Romantik haben und außerdem noch größen- und hautfarbenbedingt als "handsome" gelten, da in eine (Markt)-Lücke stoßen können, ist doch verständlich.

Quote by orosee:
Abschliessend fuer heute: man sollte auf keinen Fall ein ganzes Volk aufgrund der Handlungen Einzelner bewerten. Da kaemen wir Deutschen schliesslich auch nicht gut weg, siehe Strassenbahnwerfer, Bahnsteigschlaeger und Prozessmesserstecher. Ich finde allerdings, dass Deutschland und die Deutschen in den vergangenen 15 Jahren irgendwie netter und lockerer geworden sind.

genau
This post was edited on 2009-12-04, 15:34 by Flo-ohne-h.
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