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Ausländer erster- und zweiter Klasse
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henchan (Former member) #16
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In reply to post ID 21395
Zweimal wurde ich in Seoul böse angeguckt. Beim ersten mal von einem alten Mann, beim zweiten mal von zwei jüngeren koreanischen Männern. In beiden Situationen wurde ich böse angeguckt und mit etwas verächtlichem Tonfall mit "Amerika....Amerika" angeraunt. Hab freundlich gelächelt und "anio tokil saram imnida" geantwortet.
Welch Wunder. Plötzlich waren diese Koreaner freundlich zu mir. Find das blöd, da ich ja nicht besser oder schlechter bin, nur weil ich Deutscher bin. Aber dafür reicht mein Koreanisch nicht aus, dies auszudiskutieren.
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orosee #17
User title: Ernst ist anders.
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Gut gesagt! Aber selbst bei perfektem koreanisch: Dafuer reicht deren Logik nicht aus, um Dein Argument auch zu verstehen  :-/
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Flo-ohne-h (Moderator) #18
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Quote by orosee:
Gut gesagt! Aber selbst bei perfektem koreanisch: Dafuer reicht deren Logik nicht aus, um Dein Argument auch zu verstehen  :-/

Kulturunabhängig habe ich eines festgestellt: Die Fremdenfeindlichkeit ist nur bei den geistigen Tieffliegern verbreitet. Die intelligenten sind meistens recht offen, aber wenn mal ein Fremdenfeind dabei ist, ist er ziemlich gefährlich - ein kleiner Adolf.

Um Django Asül zu zitieren: "Mit einem geistigen Horizont von Harlaching bis Hadelfing kommt man da nicht weiter"

Meine Erfahrung in Korea bisher war auch, daß alle offen unfreundlichen Koreaner (und das sind nicht sehr viele bisher) Berufe ausübten, die keine übermäßig hohe Bildung und Intelligenz benötigen.
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Chung-Chi #19
Member since Jul 2005 · 658 posts · Location: 서울
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Wenn Leute unfreundlich sind, find ich das gar nicht so schlimm. Meistens sind sie ja gar nicht wirklich unfreundlich, sondern nur ein bisschen ruppig. (무뚝뚝하다 nennt man das auf koreanisch) Unter einer harten Schale steckt oft ein weicher Kern.

Arroganz finde ich viel schlimmer. Bei "jungen" Professoren unter vierzig kein seltenes Phaenomen.
Kannte da einen, der hat gemeint, er kann mich mit Geld dazu koedern seine Konkubine zu werden. Einer Freundin von mir ist genau das gleiche passiert. Leider ist sie darauf eingegangen.

Hab in Korea wenig Erfahrung mit Fremdenfeindlichkeit gemacht. Dass viele Leute nicht recht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn ploetzlich ein Auslaender vor ihnen steht, finde ich normal. Wenn man dann einfach mit ihnen Koreanisch redet, als waer's die normalste Sache von der Welt, behandeln einen Verkauefer meist wie jeden andern (koreanischen) Kunden auch.
In mehr komplexen Interaktionen als einem Kaufvorgang wird es irgendwann ziemlich irrelevant, dass man aus zwei verschiedenen Laendern kommt, sobald man sich ein wenig laenger kennt und eine gemeinsame Sprache hat, in der man sich ausreichend verstaendigen kann. Dann vergessen Leute auch schon mal, dass man gar kein Koreaner ist.
Flo-ohne-h (Moderator) #20
Member since Jul 2009 · 2023 posts · Location: 深圳
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Quote by Chung-Chi:
Arroganz finde ich viel schlimmer. Bei "jungen" Professoren unter vierzig kein seltenes Phaenomen.
Kannte da einen, der hat gemeint, er kann mich mit Geld dazu koedern seine Konkubine zu werden. Einer Freundin von mir ist genau das gleiche passiert. Leider ist sie darauf eingegangen.

Mein Institutsleiter hat mir gesagt, daß ich eines auf keinen Fall machen darf - eine Beziehung mit einer meiner Studentinnen beginnen, damit es keine Problem mit sexueller Belästigung entstehen. Ich vermute, daß das durchaus vor dem von Dir beschriebenen Ereignis seinen Sinn hat.
Robbsen #21
Member since Nov 2008 · 88 posts · Location: Mayschoß
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Ich hatte in Korea ständig ein mulmiges gefühl wenn ich "positiv diskreminiert" wurde...
Ich war immer skeptisch...Keine Ahnung warum...
Koreanerinnen haben mich meistens stets netter behandelt als die Koreaner...Bei Männern hatte ich immer das Gefühl, dass sie mich als Konkurenz sehen...Es war echt nerfig immer diese Blicke zu spüren....Koreanerinnen waren da immer anders..."Handsome"...
Fand ich auch ganz gut...
Was ich sagen wollte:
Ich wurde jetzt nicht offensichtlich diskriminiert aber ich habe schon so ne Art diskriminierende Atmosphäre gespürt...

Und ich glaube da ist was dran mit der Intelligenz und der Diskriminierung...
Ist es nicht so, das Leute, die nicht das Licht der Intelligenz erblickt haben, im Dunkeln herum tappsen? Ihre eigene Sturheit sie erblindet?
Ich als Winzer, bin aber jetzt wieder Student, habe diese Sturheit in der Weinbauszene oft mitbekommen...Ich war auf verschiedenen Seminaren und habe mir Neues Wissen angeeignet und wollte dieses anderen Weinbauern kundgeben..."Was für ein Schwachsinn!Das war so und wird immer so bleiben!Dein Scheiß kannste zu Hause lassen!"...Naja...In der Vergangenheit lebend...
Was ich damit sagen wollte ist nicht dass alle Winzer dumm sind, aber viele lassen sich net reinreden und halten streng und stur an die Zügel der Vergangenheit...
Ist der Vergleich klar?
Flo-ohne-h (Moderator) #22
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Noch etwas zu geistiger Offenheit und Diskriminierung,... :

ich habe festgestellt, daß der wissenschaftliche Neuheitswert von wissenschaftlichen Artikeln mit der Offenheit der Gesellschaft - auch in Hinsicht auf Diskriminierung - abhängt. Bei vielen wissenschaftlichen Artikeln, die von Wissenschaftlern aus repressiven Gesellschaften geschrieben werden, ist einfach wenig neues dran. Ich rede jetzt von naturwissenschaftlichen Artikeln, die absolut unpolitisch sind.

Das zeigt mir ganz deutlich, daß man für eine Erneuerung ein entsprechendes geistiges Klima braucht.

Das ist übrigens der Grund, warum ich keinerlei Neuerung aus Beamten- und Winzerkreisen erwarte.

Ich habe übrigens nicht den Eindruck, daß mich die Koreaner schlecht behandeln.
imnida #23
Member since Mar 2007 · 237 posts · Location: Basel
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Sehr interessante, super sachliche Diskussion!
Meine Partnerin (aus Korea) wurde mal neben mir gehend auf dem Wuerzburger Weihnachtsmarkt von einer aelteren deutschen Frau als Schlampe bezeichnet. In Korea habe ich bisher noch nichts dergleichen erlebt.
Allerdings habe ich ganz klar eine positive Diskriminierung erfahren. Und bei Deutschen ist das wohl normal. Manche Deutsche, die zum ersten mal in Korea sind, schweben schon fast durch die Gegend. Auch ein haessliches Entlein wird da zum schoenen Schwan und erhaelt auf einmal eine nie erlebte positive Aufmerksamkeit. Das kann nicht jeder vertragen und damit umgehen.
Doch das ist nicht der Grund, weshalb ich auch bei jedem "Miguk"-Ruf gleich richtig stelle: "togil saram imnida".
Auch bei meiner Korea-Wanderung im Sommer habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, darunter wirklich schoene mit alten Frauen auf dem Land und Mofafahrern die mich mitnehmen wollten.

Doch wollte ich nicht als Schwarzer in Korea leben. Und den Kommentar. "Chinesen sind schmutzig" habe ich auch oefters gehoert. Doch muss man den Umgang mit Auslaendern auch erst lernen. Und Korea hat da in vielen Gegenden noch eine sehr "sortenreine" Gesellschaft.

Allerdings haben mich manchmal auch die extrem selbstbewussten "Englischlehrer" gestoert.
Robbsen #24
Member since Nov 2008 · 88 posts · Location: Mayschoß
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Hehe...Genau...Als ich nach Deutschland wieder zurückkam, hatte ich das Gefühl ich sei hässlich:-)
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orosee #25
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Member since Oct 2009 · 1429 posts · Location: Itaewon-dong, Seoul
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Quote by Robbsen:
Hehe...Genau...Als ich nach Deutschland wieder zurückkam, hatte ich das Gefühl ich sei hässlich:-)

Hmm, das Gefuehl habe ich eigentlich meistens, wenn ich auf eine reflektierende Oberflaeche schaue  :huh:  :-(
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Robbsen #26
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    Zitat von Robbsen:
    Hehe...Genau...Als ich nach Deutschland wieder zurückkam, hatte ich das Gefühl ich sei hässlich:-)


Hmm, das Gefuehl habe ich eigentlich meistens, wenn ich auf eine reflektierende Oberflaeche schaue  :huh:  :-(

Tut mir leid, aber ich musste gerade so richtig lachen:-)
Ich meinte:
Korea war mein Alkoholrausch und Deutschland mein Kater:-)
Coco (Guest) #27
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Meiner Erfahrung nach bezieht sich die positive Diskriminierung hinsichtlich des Aussehens aber nur auf Männer. Das hat mich auch gewundert, dass durchschnittlich aussehende Männer "handsome" wurden. Solange sie nicht "schweben", gönne ich's ihnen. :-D  Die Frauen werden eher normal beurteilt wie bei den Koreanerinnen.
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orosee #28
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Quote by Coco:
Meiner Erfahrung nach bezieht sich die positive Diskriminierung hinsichtlich des Aussehens aber nur auf Männer. Das hat mich auch gewundert, dass durchschnittlich aussehende Männer "handsome" wurden. Solange sie nicht "schweben", gönne ich's ihnen. :-D  Die Frauen werden eher normal beurteilt wie bei den Koreanerinnen.

Ausser bei "Misuda"  :-D
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Coco (Guest) #29
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Nee, glaub ich nicht. Da sitzen nicht nur Frauen, die von den Koreanern als "hübsch" erachtet werden, auch wenn's hilfreich ist. Die Show braucht natürlich auch lustige Frauen oder Frauen, die besonders gut koreanisch sprechen oder sonst wegen einer Eigenschaft herausstechen. Abgesehen davon ist es natürlich Geschmackssache, wen man hübsch findet oder nicht.
crocos (Guest) #30
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In reply to post #19
"Bei "jungen" Professoren unter vierzig kein seltenes Phaenomen.
Kannte da einen, der hat gemeint, er kann mich mit Geld dazu koedern seine Konkubine zu werden. Einer Freundin von mir ist genau das gleiche passiert. Leider ist sie darauf eingegangen."

Hat er wirklich Konkubine gesagt? Manchmal profitieren aber auch beide Seiten davon. Wenn deine vermutlich ausländische Freundin darauf eingeht, hat sie das vermutlich mit Kalkül getan. Das gleiche gilt umso mehr für Koreanerinnen. Das generelle Problem in Korea ist vielleicht, dass sog. vormoderne Werte des sog. traditonellen Koreas, also primär konfuzianische Werte, mit der Dynamik und Flexibilität innerhalb der modernen Gesellschaft aufeinanderprallen. Diese Art Koexistenz kann zu Problemen führen, v.a. wenn verschiedene Generationen miteinander in Berührung kommen. Da werden dann die Veränderungen und Brüche innerhalb der koreanischen Gesellschaft deutlich.

"Wenn man dann einfach mit ihnen Koreanisch redet, als waer's die normalste Sache von der Welt, behandeln einen Verkauefer meist wie jeden andern (koreanischen) Kunden auch."
In mehr komplexen Interaktionen als einem Kaufvorgang wird es irgendwann ziemlich irrelevant, dass man aus zwei verschiedenen Laendern kommt, sobald man sich ein wenig laenger kennt und eine gemeinsame Sprache hat, in der man sich ausreichend verstaendigen kann. Dann vergessen Leute auch schon mal, dass man gar kein Koreaner ist."

Naja, da würde ich aber vorsichtig sein. Sicher hat die Sprache eine besondere Bedeutung. Je besser du sie beherrscht, desto eher kannst du Freundschaften schließen und auch komplexere Interaktionen meistern. Du wirst aber nur dann als gleichwertig betrachtet, wenn du dich auch wie ein Koreaner verhälst, deine Gestik und deine Stimmlage der Koreanischen anpasst und deine Reaktionen und dein Verhalten dem eines Koreaners sehr nahe kommt. Das geht Richtung Assimilation, wobei ich seit kurzem auch da nicht sicher bin, ob Koreaner sich nicht bedroht fühlen könnten, wenn ein (weißer) Ausländer sich wie ein Koreaner verhält, von Koreanern erwartet man Homogenität...das ist Teil der koreanischen nationalen Identität. Diversität wirkt eher abstoßend und man akzeptiert Koreaner, die anders sind, auch nicht wirklich. Von Ausländern würde solche Homogenität natürlich nicht erwartet werden, denn wir sind keine Mitglieder der koreanischen, ethnisch bestimmten, Nation, deshlab werden wir auch nicht wirklich integriert. Das würde Koreaner eher erschrecken, meinte zumindest ein Professor kürzlich. 

"Dann vergessen Leute auch schon mal, dass man gar kein Koreaner ist."

Das glaube ich nicht! Ich habe zwar auch gewisse Anzeichen erlebt, dass, wenn man besser Koreanisch spricht, man wie ein Koreaner behandelt wird. Gerade bei Professoren habe ich das erlebt. Ich bezweifele aber, dass das wünschenswert ist. Dann bin ich lieber positiv diskriminiert!

Grüße, Tobias
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